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Prof. Dr. Thomas Schwinn

Forschungsprofil

Soziologische Theorie | Differenzierungstheorie | Soziale Ungleichheit | Multiple Modernities | Religionssoziologie

Die Genese der Moderne interessierte die Klassiker der Soziologie. Heute steht die Ausbreitung dieser Epoche in den Globalisierungsprozessen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dies stellt eine Herausforderung für die soziologische Theorie, auch die Max Webers dar. Die bisher angebotenen Grundkoordinaten zur Bestimmung von Modernität bieten keine sicheren Leitorientierungen mehr. Bestehende sozialtheoretische Begriffe, Konzepte und Modelle müssen überdacht werden. Modernisierung und Verwestlichung sind nicht deckungsgleich. In ihrer aktuellen Ausbreitung pluralisiert sich die Moderne. Der Forschungsschwerpunkt knüpft an Max Webers kulturvergleichende Soziologie, insbesondere an seine Religionssoziologie, an und entwickelt sie in Auseinandersetzung mit alternativen Theorieangeboten, wie Weltgesellschafts- und Weltsystemtheorien, weiter. Mit der Pluralisierung der Moderne werden auch die Wahrnehmungen und Lösungsstrategien für gesellschaftliche Herausforderungen, wie etwa die ökologische Problematik, variieren.

In einem weiteren Forschungsschwerpunkt steht die Verknüpfung der zwei großen Theorietraditionen der Soziologie zur makrosozialen Beschreibung und Erklärung gesellschaftlicher Grundstrukturen im Mittelpunkt: Differenzierungstheorien und Ungleichheitstheorien. Beide laufen bisher weitgehend beziehungslos nebeneinander her. Um diesen theoretisch wie empirisch unbefriedigenden Zustand zu überwinden, wird nach konzeptuellen Brücken und Verknüpfungen gesucht. Mit einer solchen Kombination der beiden makrosozialen Grundachsen der Gesellschaft lassen sich viele Themen- und Problemfelder adäquater analysieren als mit nur einer Strukturdimension: etwa Fragen der Plan- und Steuerbarkeit moderner Gesellschaften, sozialer Ungleichheit und sozialer Integration; die Entwicklung von globalen Strukturen sozialer Ungleichheit.

Ausgewählte Publikationen

  • Spaltung und Zusammenhalt. Von Metaphern und Begriffen, in: Soziale Welt, Sonderband 27 (2025), S. 64-90.
  • Theorieentwicklung, Sozialstrukturanalyse und der Stellenwert sozialer Ungleichheit, in: Petra Böhnke, Dirk Konietzka (Hrsg.): Handbuch Sozialstrukturanalyse. Wiesbaden: Springer.
  • Rigid Differentiation Theory and Flexible Sociology of Religion?, in: Historicizing Secular-Religion-Demarcations. Interdisciplinary Contributions to Differentiation Theory. Edited by Monika Wohlrab-Sahr, Christoph Kleine, Daniel Witte. Berlin/Boston: de Gruyter 2024, 379-406.
  • Max Weber revisited: Zur Aktualität eines Klassikers. Weinheim: Beltz Juventa 2022 (mit Ulrich Bachmann). 2. Auflage 2023.
  • Social Integration – Levels and Dimensions, in: Daniela Grunow, Patrick Sachweh, Uwe Schimank und Richard Traunmüller (Hrsg.), Social Integration. Sonderheft 63 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpyschologie. Wiesbaden: Springer VS 2023, S. 35-67.
  • Soziale Ungleichheit in differenzierten Ordnungen. Zur Wechselwirkung zweier Strukturprinzipien, Tübingen: Mohr Siebeck 2019.
  • Differenzierung ohne Gesellschaft. Umstellung eines soziologischen Konzepts, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2001.
  • Max Weber’s Methodological Individualism, in: Nathalie Bulle und Francesco di Iorio (Hrsg.): The Palgrave Handbook of Methodological Individualism, Vol 1. Palgrave Macmillan 2023, S. 321-345.
  • „Globalisation and regional variety: Problems of theorisation“, in: Jürgen Schriewer (ed.), Re-Conceptualising the Global/Local Nexus: Meaning Constellations in the World Society (Special Issue of Comparative Education 48: 2012), pp. 525-543.
  • (Hg.) Die Vielfalt und die Einheit der Moderne. Kultur- und strukturvergleichende Analysen, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006; darin vom Herausgeber Die Vielfalt und die Einheit der Moderne. Perspektiven und Probleme eines Forschungsprogramms, S. 7-34

Aktuelle Forschungsprojekte

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Aktuell
Differenzierungstheorie und soziale Ungleichheit
Aktuell
Multiple Modernities und Religionssoziologie
Aktuell
Soziologische Theorie nach Max Weber

Lebenslauf

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Seit 09/2008
W3-Professor am Max Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg (Professur für Allgemeine Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziologische Theorie)
07/2006 – 08/2008
W3-Professor für Soziologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Lehrstuhl fuer Soziologie I)
10/2003 – 06/2006
C4-Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Lehrstuhl fuer Soziologie I: Allgemeine und Theoretische Soziologie)
04/2000 – 09/2003
Oberassistent (C2-Beamter auf Zeit) am Institut für Soziologie der Universität Heidelberg
1999
Habilitation für das Fach Soziologie
1992
Promotion im Fach Soziologie
1987
Magister im Fach Soziologie an der Universität Heidelberg

Externe Funktionen

  • Seit 2014: Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
  • Seit 2010: Mitherausgeber der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.
  • Seit 2009: Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift für Soziologie.
  • 2014/2015: Fellow des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg.
  • Gutachter der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (Anneliese Maier-Forschungspreis), der Max-Planck-Gesellschaft (Max-Planck-Forschungspreis), der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Baden-Württemberg Stiftung (Eliteprogramm), der VolkswagenStiftung (Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft).

Evaluationen und Auszeichnungen (Auswahl)

  • In einer sorgfältigen und differenzierten Evaluation aller 370 Soziologieprofessoren in Deutschland, die das wissenschaftliche Kapital, den Status und das Prestige misst, zählt Prof. Dr. Thomas Schwinn zu der kapitalstärksten Gruppe (vgl. Soziale Welt 69 (2018), Heft 2).
  • Award of Excellence in World Society Research 2008 der World Society Foundation (International Sociological Association) für den Artikel „Global Inequality beyond the Nation State?“, deutsche Version erschienen in: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008), S. 8-31.
  • Die vom Wissenschaftsrat eingesetzte Expertenkommission „Soziologie“ hat die Forschungs- und Publikationstätigkeit von Prof. Dr. Thomas Schwinn in einem ausführlichen Evaluationsverfahren mit „sehr gut" bewertet.
  • Dritter Preis der Fritz Thyssen Stiftung für die besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsätze des Jahrgangs 2001: „Staatliche Ordnung und moderne Sozialintegration”, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 53 (2001), S. 211-232.
  • Nominierung für den Preis der Fritz Thyssen Stiftung für die besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsätze des Jahrgangs 1998: „Soziale Ungleichheit und funktionale Differenzierung: Wiederaufnahme einer Diskussion“, in: Zeitschrift für Soziologie 27 (1998), S. 3-17.
  • Nominierung für den Preis der Fritz Thyssen Stiftung für die besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsätze des Jahrgangs 1997: „Die Entstehung neuer Ordnungen im antiken Griechenland. Eine struktur- und akteurtheoretische Analyse“, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 49 (1997), S. 391-409.

Wissenschaft in der Öffentlichkeit (Auswahl):

  • Interview vom 27.09.2013 im ORF: "Es gibt nicht nur eine Moderne".
  • Interview vom 17.04.2014 im Deutschlandfunk: Schwerpunktthema – Max Weber.
  • Organisierung der Vortragsreihe „Entfesselt: Kapitalismus, Religion und Demokratie“ zu Max Webers 100. Todestag. Die Vorträge wurden von der Abteilung Kommunikation und Marketing der Universität Heidelberg aufgezeichnet und können über heiONLINE verfolgt werden.
  • Max Weber 1920 – 2020: Aufmerksamkeits- und Rezeptionskonjunkturen. Vortrag von Prof. Schwinn, über heiONLINE zugänglich.
  • Wissenschaftseuphorie und Wissenschaftsskepsis. Vortrag im Studium Generale des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) 2024.