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Transforming Cultural Heritage in 3D: Potentiale und Konsequenzen der Digitalisierung von Kulturerbe (TCH3D)

Projektbeschreibung

Die gemeinsame Forschung widmet sich einer theoretischen und praktischen Analyse der Transformationsprozesse, die die Digitalisierung des kulturellen Erbes in Form von 3D-Modellen begleiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Disziplinen Kulturerbe, Informatik und Soziologie beschäftigen sich gemeinsam mit mehreren Themen: im theoretischen Bereich „Digitaler Kolonialismus“ und „theoriegeleiteter Einsatz von 3D-Repräsentationen“ sowie im praktischen Teil „Integration von Nutzerperspektiven in die Entwicklung von Museumsanwendungen und Integration in den Hochschul- und Schulunterricht“ und „Visualisierungs- und Metadatenstrukturen für sehr große Meshes“. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Umsetzung eines Best-Practice-Leuchtturm-Projekts im Bereich Wissenstransfer und Wissensvermittlung, dessen praktische Ziele die Erfassung

und Darstellung des Weltkulturerbes von Triers Barbarathermen ist. Die Barbarathermen – einst der zweitgrößte Badekomplex des Römischen Reiches – stellen ein kontrovers diskutiertes Kulturerbe dar, das durch digitale Vermittlungskonzepte ganz neu dargestellt werden soll. Neben der Erforschung der theoretischen Grundlagen fördert der praktische Teil des Forschungsprojekts auch innovative Ansätze im Bereich der technischen Umsetzung, zum Beispiel bei der Verarbeitung und Handhabung großer Datenmengen, die bei der Digitalisierung entstehen.

Table

Laufzeit
02/2023 – 07/2026

Weiterführende Forschung

Nachhaltige Wissensvermittlung – Die nachhaltige Schaffung neuen Wissens und die Digitalisierung der kulturellen Teilhabe

Projektbeschreibung

Unser Forschungsvorhaben zielt darauf ab, innovative Ansätze zur nachhaltigen Wissensvermittlung von kulturellem Erbe im schulischen Kontext zu entwickeln und dabei das Potenzial digitaler Medien und Digitalisate auszuschöpfen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können Kulturerbestätten digital, interaktiv und nachhaltig gestaltet werden, um verschiedene Zielgruppen und insbesondere junge und bildungsferne Menschen zu erreichen? Am Beispiel von Kulturerbestätten in verschiedenen Ländern sollen bisherige Digitalisierungsanstrengungen identifiziert sowie in Bezug auf das Erreichen sozialer Nachhaltigkeit geprüft und Konzepte sozialer Nachhaltigkeit entwickelt und umgesetzt werden. Dabei leiten uns die Fragen „Welche Formen digitaler Inwertsetzung werden generiert und werden sie der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt?“ Wir prüfen dabei die soziale Nachhaltigkeit der Wissensvermittlung, verstanden als Beteiligung junger sowie bildungsferner Menschen. Die zentrale Frage ist, wie eine nachhaltige digitale Vermittlung von Kulturgütern an Kinder und Jugendliche im schulischen Kontext gut gelingen kann.

Ziel ist es darüber hinaus eine experimentelle Lehrkonzeption für die Lehre in den Lehramtsfächern Latein und Geschichte sowie den Sozial- und Bildungswissenschaften zu entwickeln und zugleich in den Schulen zur Anwendung zu bringen. Wir wollen dazu den Einsatz von Serious Gaming weiterentwickeln. Dazu entwerfen wir den Prototyp einer App - mit Bezug zum kulturellen Welterbe römischer Bauten in verschiedenen Ländern -, der zusammen mit den Studierenden konzeptionell (weiter-)entwickelt werden soll.

Das Forschungsvorhaben basiert auf den Erfahrungen und ersten Ergebnissen aus einer Pilotstudie "Transforming Cultural Heritage in 3D", die sich der Digitalisierung der Barbarathermen in Trier widmete. Dabei sind hochauflösende 3D-Modelle, die aus einer Kombination von Fotogrammetrie und Lidar-Scan bestehen, entstanden und ermöglichen ein realistisches, detailgetreues Abbild eines Kulturdenkmals.

Nachhaltige Wissensvermittlung

Die kulturelle Teilhabe ist in modernen Gesellschaften zu einem Massenphänomen geworden. Mit der Veränderung der Massenmedien, der radikal anderen Prinzipien der digitalen Ökonomie sowie dem Einzug von KI als massenweise genutztes Element der kulturellen Produktion verändern sich die Prinzipien der kulturellen Teilhabe in gravierender Weise. Auch die creative commons, die zunächst kostenlose Teilhabe an der digitalen Welt und dem kulturellen Erbe, sind zu einem Massenphänomen geworden und kulturell verallgemeinert. Diese massive Verallgemeinerung der kulturellen Teilhabe ist ein neues Element der Demokratisierung, welche digitale Teilhabe am kulturellen Erbe einer Gesellschaft in neuer Weise ermöglicht und jede/r bzw. jedem zugänglich macht.

Die Nutzung digitaler Medien und die Unterstützung von künstlicher Intelligenz bei alltäglichen Aufgaben nimmt insbesondere bei jungen Menschen drastisch zu. 62% der jungen Menschen nutzen künstliche Intelligenz täglich, insbesondere bei der Erledigung von Hausaufgaben, der Informationssuche aber auch in ihrer Freizeit.

Dieser Entwicklung stehen staatliche Bildungs- und Kulturinstitutionen gegenüber, die sich derzeit nur in engen Grenzen dieser anhaltenden und digital außerordentlich wirkungsvollen Schaffung neuen Wissens und neuer Arten der Wissens- und Kulturvermittlung sowie des Lernens öffnen. Dadurch wird das Feld der Kultivierung Heranwachsender weitgehend den Organisationen der digitalen Ökonomie überlassen und die in den Schulen praktizierten Lehr- und Lernformen entfernen sich immer mehr von deren Alltag. Diese „Entkopplungsdynamik“ gilt es zu verringern.

Veranstaltungen

Interdisziplinärer Workshop: Nachhaltige Wissensvermittlung

Der Workshop

Der Workshop zielt darauf ab, innovative Ansätze zur nachhaltigen Wissensvermittlung von kulturellem Erbe im schulischen Kontext zu diskutieren und dabei das Potenzial digitaler Medien und Digitalisate auszuschöpfen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können Kulturerbestätten digital, interaktiv und nachhaltig gestaltet werden, um insbesondere junge und bildungsferne Menschen zu erreichen? Am Beispiel von Kulturerbestätten in verschiedenen Ländern sollen die Digitalisierungsanstrengungen in Bezug auf das Erreichen sozialer Nachhaltigkeit geprüft sowie evidenzbasierte Konzepte entwickelt und umgesetzt werden. Dabei leiten uns die Fragen „Welche Formen digitaler Inwertsetzung werden generiert und werden sie der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt?“ und „Werden sie im Kontext einer nachhaltigen Wissensvermittlung im schulischen Umfeld genutzt und wenn ja, in welchem Umfang?“

Die Grundidee des Workshops basiert auf den Erfahrungen und ersten Ergebnissen aus einer Pilotstudie "Transforming Cultural Heritage in 3D", die sich der Digitalisierung der Barbarathermen in Trier widmet. Dabei sind hochauflösende 3D-Modelle, die aus einer Kombination von Fotogrammetrie und Lidar-Scan bestehen, entstanden und ermöglichen ein realistisches, detailgetreues Abbild eines Kulturdenkmals.

Nachhaltige Wissensvermittlung

Mit der Veränderung der Massenmedien, den radikal anderen Prinzipien der digitalen Ökonomie sowie dem Einzug von KI als massenweise genutztes Element der kulturellen Produktion, haben sich die Prinzipien und Bedingungen der kulturellen Teilhabe in gravierender Weise verändert. Durch die massive Verallgemeinerung kultureller Teilhabe ist ein neues Element der Demokratisierung entstanden. Digitale Partizipation bietet somit das Potenzial, den Zugang zu kulturellem Erben für ein breiteres Publikum zu öffnen und auf

neue digitale Weise die Aufarbeitung gesellschaftlicher Wissensbestände sowie deren bedarfsgerechte Vermittlung zu ermöglichen. Parallel dazu hat die Nutzung digitaler Medien und die Unterstützung von künstlicher Intelligenz insbesondere bei jungen Menschen drastisch zugenommen. Etwa 62% der jungen Menschen nutzen künstliche Intelligenz täglich insbesondere zur Wissensgenerierung. Dieser Entwicklung stehen staatliche Bildungs- und Kulturinstitutionen gegenüber, die sich derzeit nur beschränkt für neue digitale Arten der Wissens- und Kulturvermittlung öffnen. Dadurch wird das Feld der Kultivierung Heranwachsender weitgehend den Organisationen der digitalen Ökonomie überlassen und die in den Schulen praktizierten Lehr- und Lernformen entfernen sich immer mehr von dem Alltag ihrer Klientel. Diese „Entkopplungsdynamik“ gilt es zu verringern.

Workshop-Programm

  • 10:00 Uhr: Begrüßung (Markus Pohlmann, MWI)
  • 10:15 Uhr: Sozial-nachhaltiges digitales Lehren und Lernen (Petra Deger, PH)
  • 11:00 Uhr: Sozial nachhaltige Inwertsetzung von Kulturerbe: Erste Forschungsergebnisse (Kim Angelina Kettner)
  • 11:45 Uhr: Sozial nachhaltige Inwertsetzung von Kulturerbe: Antragsperspektiven (Leoni Kotwan)
  • 12:30 Uhr: Mittagspause
  • 13:30 Uhr: Schule, KI und Lebenswelt – Brücken bauen mit digitaler Kultur (Christina Wietig, Waldparkschule HD)
  • 14:15 Uhr: Digitalisierung und soziale Nachhaltigkeit in Rumänien (Romanita Constantinescu, RS)
  • 15:00 Uhr: Digitalisierung und soziale Nachhaltigkeit in Museen (Friederike Elias, Völkerkundemuseum)
  • 15:45 Uhr: Ergebnisse und Ausblick
  • 16:00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Forschungsergebnisse/Berichte

Zentrale Forschungsaktivitäten und Ergebnisse 2025

In der ersten Jahreshälfte 2025 wurde die Endphase der qualitativen und quantitativen Datenerhebung (Schüler*innen-, Lehrkräfte- und Kulturexpert*innenbefragungen) abgeschlossen. Parallel dazu erfolgte die umfassende Datenbereinigung und Vorbereitung zur Identifikation des Status quo der (analogen und digitalen) Wissensvermittlung im schulischen Kontext.

Ab der zweiten Jahreshälfte lag der Fokus primär auf der Aufarbeitung, Auswertung und Verwertung der soziologischen Pilotstudie unter der leitenden Forschungsfrage, wie eine sozial nachhaltige Wissensvermittlung von Kulturerbe im schulischen Kontext gelingen kann.

  • Quantitative Analyse: Auswertung des Online-Surveys von Schüler*innen und Lehrkräften in Deutschland und Rumänien.
  • Qualitative Analyse: Auswertung qualitativer problemzentrierter Interviews verschiedener Expert*innengruppen der kulturellen Wissensvermittlung.

Kernergebnisse 2025

Die Ergebnisse bestätigen die theoretisch angenommene Entkopplungsdynamik zwischen schulischen Wissenssystemen und dem digitalen Alltag sowie den damit verbundenen Wandel der Voraussetzungen für die nachhaltige Aneignung kultureller Repertoires bei Heranwachsenden. Schüler*innen bewegen sich selbstverständlich in digitalen Medienwelten, deren Struktur sich stark von klassischen Bildungsinstitutionen unterscheidet. Der Unterricht wirkt für viele Lernende wie eine mediale Gegenwelt, was sich negativ auf Motivation und Lernerfolg auswirken kann.

Gleichzeitig zeigt die Studie:

  • Schüler*innen reflektieren differenziert über die Effizienz einzelner Medienformate.
  • Sie bevorzugen motivierende Vermittlungsformen wie Videos, erkennen jedoch auch den didaktischen Mehrwert interaktiver oder analoger Formate (z. B. Ausflüge oder Recherchearbeit).
  • Besonders hervorzuheben ist die Erkenntnis, dass die Art der Vermittlung (z. B. Video) häufig bedeutsamer für das Interesse und die Lernmotivation ist als das Thema selbst.
  • Die Lehrkräftebefragung und Experteninterviews verdeutlichen eine grundsätzliche Offenheit gegenüber digitalen Medien und KI, zugleich aber Konfrontation mit Unsicherheiten und praktischen Herausforderungen.
  • Experteninterviews zeigen zudem, dass Vermittlungspraktiken, die sich an der (analogen und insb. digitalen) Lebensrealität der Schüler*innen orientieren, das größte didaktische Potenzial für eine nachhaltige Wissensvermittlung bieten.